Warum. Darum.
1. Feb. 2010
Eine kurze Überlegung, warum ich als Frau Filme mache.
Als ich anfing, Filme zu drehen, war mir nicht bewusst, dass ich als Frau eine Seltenheit in dem Geschäft bin. Als es mir dann dank einer Arte-Dokumentation vor einigen Jahren auffiel, war ich schockiert.
Laut dieser Arte-Dokumentation gibt es 20.000 Regisseure – und 600 Regisseurinnen. Von diesen 20.000 Regisseuren ist der überwiegende Teil weiß, zwischen 30 und 50 und US-Amerikaner.
Ich bekomme also überall in den bewegten Bildern, sei es Fernsehen oder Film, Männerbilder serviert, wie sie dem Wunsch-Selbstbild dieser männlichen Regisseure entsprechen (Supermänner, Bodybuilder, Weltenretter, Frauenverführer, Alleskönner), und Frauenbilder, wie sie dem Traumbild dieser Regisseure entsprechen - und wahrscheinlich auch dem der Produzenten und TV-Redakteure (großbrüstige, blondgefärbte, stets zum Beischlaf bereiten, auch im Bett geschminkten Supermütter, die in der Liebe zum egozentrischen Helden vergehen).
Ich bekomme aber auch Männerbilder zu sehen, wie sie definitiv nicht gewünscht sind: Schmächtige, bebrillte, intelligente junge Männer, die dann klarerweise nicht sie selbst bleiben dürfen: Sie mutieren alle zu „echten Männern“, um im inszenieren Filmkampf gewinnen zu können (also mit Kontaktlinsen, solariumsgebräunt und durch Anabolika gestylt) - nie gewinnt Intelligenz über das Bösen, immer sind es Waffen oder Körpereinsatz.
Eine unbewusste Entblößung - und erheiternde Entschädigung - sind die Making Ofs: Kleine, höchst unförmig bebauchte, bärtige, bebrillte Männchen stehen als die Regisseure solcher Filme am Set und weisen die auftrainierten, männlichkeitsüberbeschussten Schauspieler an; unscheinbare Znirchtl, die mehr an Bibliothekare erinnern, sprechen als Drehbuchautoren über ihren Spaß am Fantasieren und Imaginieren, ohne an weitere Konsequenzen zu denken; wendige Produzenten sprechen mit einem Strahlen in den Augen über die Besetzung der weiblichen Parts und die Box Office Ergebnisse.
Die Wunschbilder einiger weniger bestimmen also die Geschichten, mit denen uns Hollywood überschwemmt - eine Oligarchie der Filmtyrannen.
Und jenseits von Hollywood?
In unserem vielgerühmten kulturellen Österreich?
Auf den heimischen Kabarettbühnen und im für seine Vielfalt berühmten ORF bekomme ich im Wesentlichen Geschichten und Typen serviert, die genauso gemacht und dominiert sind von männlichen Schöpfern - und die auch von deren journalistischen Entsprechungen gehypt werden („kritisiert“ in der Fachsprache), auch wenn sie alle kein männliches Wunschbild zelebrieren, sondern eher das Anti-Wunschbild: Alle im Kabarett verankerten Geschichten sind ziemlich offensichtlicher Therapieersatz für die armen, geschiedenen, Alimente zahlenden, kettenrauchenden, die Welt logischerweise im Frauenhass und Frustration betrachtenden und nicht zu ihrem Vorteil gealterten Männer, die sich als Kabarettisten bezeichnen (was einst der Ausdruck für Gesellschaftskritik auf hohem satirischen Niveau war).
Einige ganz wenige thematisieren das Gegenteil: die Freude des Kinderkriegens. Doch wehe, wenn in fünf, sechs Jahren die Scheidung droht…
Originalität – erschlage mich!
In Wahrheit mache ich Filme aus Notwehr; im Kampf gegen das Ersticken durch intelligenzlose männliche Fantasien, die mir an fast allen öffentlichen und subventionierten (!) Stätten hineingewürgt werden.
Es ist ein Kampf um Identität und um Ausdruck dieser. Nur, dass ich keinen förderungsförderlichen migrantischen Hintergrund habe.
Leider – ich bin nur eine Frau, kurz vor dem Ersticken.
Aber ich habe eine Kamera.
Fly without a Smile
2.Okt. 2009
Ein kurzer Auslandsaufenthalt Ende September, noch schnell ein bisschen Urlaub oder Foto-Recherchen-Reise für Ideen und künftige Projekte, bevor der Winter kommt. Riskanterweise New York, aber sicherheitshalber erst nach jenem auf ewig in die Erinnerung eingebrannten Datum…

Die Überraschung: man überlebt - die autoreifengroßen Schlaglöcher im Gehsteig, die Masse von Menschen, die einem an der Fußgängerampel gegenüber stehen und bei Grün als geschlossene Wand auf einen zu marschieren, den Besuch auf der Aussichtsplattform des Empire State Buildings, bei dem jedes kleinste Flugzeuggeräusch mittelschwere Panikattacken auslöst - und vor allem die zahllosen invasiven Security Checks vor ausnahmslos allen würdigen und unwürdigen Sehenswürdigkeiten: Für einen zivilen Event viel zu viele Menschen in Uniformen, die Anweisungen zum erforderten Verhalten durch die Gegend brüllen (”Take off your shoes! Your belts! Your watches! Cooperate with us! It is for your own safety!”), während die touristische Menge in geschlängelt aufgebauten Zäunen wie Rinder beim Viehtrieb auf die Automaten und Förderbänder zuzuckelt.
Ich bin ehrlicherweise der Überzeugung, dass ich die für ein Menschenleben zugelassene Strahlenbelastung nach dieser Woche überschritten habe.
Außerdem habe ich nun eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie der Grundton auf Guantanamo sein muss.
Höchst verdächtig auch: Auf allen diesen Security-Anbrüll-Rausschmeiß-Machtstellen sitzen ausnahmslos Menschen aus einer vor 400 Jahren zwecks Sklaventum verschleppten Minderheit… Zufall oder nicht? Mein Ohrwurm des Star-Wars Themas zu “The Empire strikes back” hat sich jedenfalls immer noch nicht verflüchtigt.
Erst beim Rückflug, als ich mich schon in Sicherheit und den wohlwollenden Händen unserer rot-weiß-roten Staatsfluglinie wähnte (und den Gedanken verdrängte, dass genau diese sich ja in den letzten Jahren zielgerichtet in den Konkurs manövriert hatte), schlägt das Schicksal zu:
Es ist ein Nachtflug, geplant war, um 18:00 das Flugzeug zu besteigen, um dieses in Wien gegen 8:30, ähnlich wie dereinst die Dame aus der “3 Wetter Taft” Werbung, erfrischt und relaxt wieder zu verlassen
Aber als das Licht ausging, um Nacht zu simulieren, klappte kein einziger Sitz der vorderen Reihe zurück. Ich - bereits halb im Dämmerschlaf - presste den entsprechenden Knopf und lehnte schließlich für einige Sekunden in der halbbequmenen 45° Schlaflage. Kaum stemmte ich mich aber nicht mit voller Kraft nach hinten, schnalzte die Rückenlehne wieder auf 90° nach vor. Ich spielte das Spiel einige Minuten und hatte dann die beiden Jünglinge hinter mir in Verdacht, mit ihren Knien in meinem Rücken absichtlich das Zurücklehnen zu verhindern. Da aber auch diese kerzengerade und mit geschlossenen Augen in ihren Sitzen saßen, waren sie wohl unschuldig.
In den folgenden acht Stunden überlegte sich jeweils die Gehirnhälfte von mir, die gerade nicht am Dämmern war, wütende Emails an den Kundenservice dieser Fluglinie: “AUA - diesen Namen haben Sie wohl in weiser Voraussicht auf die Qualität Ihrer Flieger gewählt”, “Ob Sie auf das Essen “Do & Co” oder “A, B, C, D” drucken, ist schon egal - an der miesen Qualität ändert keine Buchstabenkombination etwas”, “Ich hoffe nur, Sie warten die Mechanik Ihrer Flugzeuge besser als die Sitzreihen - diese ausgeleierten Sitze sind ja der Tod jedes Kundenservices!”.
Dieser letzte Gedanke weckte mich dann leider doch wieder etwas auf, obwohl ich mit Armen und Kopf auf den beiden Polstern am herausziehbaren Tischchen sowieso nicht tief schlief.
Was bleibt, ist der Wunsch nach einer Hybridform von Amis und Ösis: Ich brauche zwar keine Security Checks à la USA, aber eine etwas amerikanischere Einstellung zum Thema Dienstleistungsorientiertheit wäre wirklich wünschenswert.
Und ich wünsche den beiden Kundenservice-Leitern sowohl von der AUA als auch von der Lufthansa gute Nerven und einen guten Therapeuten - sie werden sich sicherlich nicht nur mit meinen Beschwerdemails herumärgern müssen…
Nichts geschenkt
7. Sept. 2009
Es ist Sonntag, 17:15 Uhr, das Wetter ist sonnig und windig und langsam macht sich Hunger beim Stadtspaziergang bemerkbar. Man steuert also auf die erstbeste Pizzeria im 1. Bezirk Wiens zu.

Vier unterbeschäftigte Kellner italienischen Einschlags stehen vor dem fast leeren Schanigarte. Der erste weist mir einen der wenigen Zweitertische zu, die sich alle durch Schieflage der Tischplatte, Beengung beim Sitzen und Ungemütlichkeit generell auszeichen. Ich frage ihn, warum wir nicht einen Vierertisch haben können, da ja sowieso kaum Gäste hier sind und wir nur 45min bräuchten. Der Kellner weiß keine Antwort, also steuern wir auf einen Vierertisch zu.
Kellner Nr. 2 stellt sich mir in den Weg, ich erkläre ihm das Offensichtliche noch einmal. Er sieht sich um, räuspert sich und denkt scheinbar extra laut nach. Fassungslosigkeit ob der vermeintlich falschen italienischen Gastfreundschaft macht sich breit. Mir reißt der Geduldsfaden und ich sage: “Ich meine, wir können auch woanders hingehen Pizza essen, so ist das ja nicht”. Doch nun gibt Kellner Nr. 2 - der scheinbar der Hauptkellner oder Bruder vom Besitzer oder Schwager vom imaginierten Mafiaboss ist - nach und tritt zurück. Wir steuern erneut auf einen der zahlreichen Vierertische zu.
Überraschenderweise bleibt der Kellner freundlich, und es wird auch schnell serviert, was nötig ist, da die hauchdünnen Pizzen auskühlen, kaum, dass sie am Tisch sind.
Nach 45 Minuten und dem Ruf nach der Rechnung ist der Schanigarten immer noch so leer.
Doch da wackelt ein älterer Herr auf die Pizzeria zu, im Geleit von scheinbar seiner Familie und eines Hundes; und verdirbt mir den geplanten süffisanten Satz beim Abgang (von wegen, dass der Schanigarten immer noch so leer wie zu Beginn ist).
Es ist Otto Schenk samt Family, wie sich auf den zweiten Blick herausstellt.
Nach langem Überlegen und mit viel Getöse wird schließlich Platz genommen. Beim Blättern in der Speisekarte höre ich beim Gespräch der Familie folgende Worte:
Oma: “Ich möchte Leitungswasser bestellen.”
Enkelin: “Das wird der Chef nicht erlauben, Leitungswasser darf man nicht bestellen.”
Oma: “Das schau ich mir an, ob der Chef das erlaubt.”
Der nun überaus übertrieben freundliche Kellner Nr. 2 düst zur Bestellungsaufnahme heran. Es wird Leitungswasser bestellt, mit der Frage, ob das möglich sei.
“Ja, selbstverständlich!” ist die schmierige Antwort.
Oma: “Das ist auch gut so, sonst wären wir aufgestanden und woanders hingegangen.”
Ich musste herzlich lachen. Wenn auch diesem Kellner an diesem Abend wahrlich nichts geschenkt wurde - woran er höchstwahrscheinlich selbst schuld war - so bin wenigstens ich auf meine Kosten gekommen.
Das Ende eines Spektakels
27. Mai 2009
Die Kabarettbühne “Spektakel” in Wien-Margareten hat mit heutigem Tage ihre Pforten geschlossen. Schließen müssen. Um exakter zu sein: “Man war gezwungen, schließen zu müssen”, wie die Homepage verkündet. Und das, obwohl sie bis zuletzt auf Unterstützung gehofft hatten, “um einen aufrechten Spielbetrieb weiter führen zu können”:
Die Begriffsklärung via Wikipedia.de ergibt: “Der Begriff „Spektakel“ ist für Ereignisse mit seichtem oder befremdlichem Charakter negativ besetzt, aber für bemerkenswert unterhaltsame Ereignisse durchaus auch positiv.”
Dem Insider fällt es wie Schuppen von den Augen, und er erkennt im Nachhinein die verborgene Wahrheit in der Namensgebung - und ist gezwungen, sich ins Fäustchen lachen zu müssen. Er reißt sich zusammen, schon um des aufrechten Spielbetriebs Willen, dennoch kitzelt es ihn immer wieder im Zwerchfell: Denn wer könnte schon einen unaufrechten Spielbetrieb führen?
Der Betreiber des “Spektakels” beweist profunde Menschenkenntnisse bei der Begründung seines Spektakel-Spektakels: “Wir sind das Bauernopfer für die anderen”. Als weiteren Grund gibt er Mietrückstände und eine bereits exekutierte Räumungsklage an. Seine Erkenntnis: “Manchmal denke ich mir, Kabarett und Kleinkunst ist ein teures Hobby.”
Stimmt. Ein erweitertes Wohnzimmer am Naschmarkt mit ab und zu einigen störenden zahlenden Gästen ist allerdings ein teures Hobby. Vor allem, wenn sie wiederkommen, auch wenn man alles getan hat, um sie zu vertreiben! Angefangen beim aufgewärmten Toast vom Vortag, über die fieberblasenbehafteten weil nicht gespülten Gläser bis zu den wie von Arthritis befallen umherschleichenden Kellnerinnen, die immer einen bösen Blick für jeden Gast haben.
Die ÖVP Wien bezeichnete das Kabarett Spektakel in einer Reaktion als “erstes Opfer der bürokratischen Mühlen dieser Stadt”. - Damit haben sie völlig recht: Nichts mahlt so langsam wie die Mühlen Wiens, doch ähnlich wie Gottes allmächtiges Instrument mahlen sie wenigstens gerecht.
“Ein großer Verlust für die Wiener Kulturlandschaft”, sagte die Kultursprecherin der Grünen Wien, Marie Ringler, dazu - woraufhin wir uns gezwungen sehen, anzunehmen müssen, dass sie ein Lokal im angrenzenden 4. Bezirk meinte (”Wiedner Kulturlandschaft”) und in undeutlicher Aussprache einfach nur das “d” verschluckt hat.
Der derart mit Vorwürfen konfrontierte Kulturstadtrat und Angehörige der politischen Gegenpartei (SPÖ), Mailath-Pokorny, offenbarte den archimedischen Punkt in der Schuldfrage: “Für eine Förderung ist allerdings die Erfüllung bestimmter formaler Kriterien notwendig, die aus Sicht der Kulturabteilung noch nicht gegeben sind.”
Wir meinen: In den letzten Jahren nie gegeben waren - und raten auf RTL-Supernanny-Niveau gleich einen Deutschkurs als ersten Schritt aus dem Spektakel an.
Jedoch - wir müssen aufpassen: Es könnte passieren, dass ein Spektakel auch uns erfasst und wir gezwungen sein würden, diesen Blog schließen zu müssen. Und so viele Stilblüten können wir uns - schon wegen der mangelnden Kulturförderung seitens der Stadt Wien - leider nicht leisten.
Brainwash II
17. Mai 2009
Der nächste Wochenendausflug führte mich ins bischöflich geprägte Salzburg.
Innerhalb der Altstadt, der “Bürgerstadt”, gibt es 10 Kirchen. Hier sind die Deckenmalereien des Salzburger Doms:
Der kritische Geist fragt sich, was uns das sagt - nun ja, das sagt uns, dass die Kunst schon immer die Tendenz zur Prostitution hatte. Zum Glück! Denn wie wären diese Kunstwerke sonst der Menschheit geschenkt worden, hätte niemand den zahlenden Hebammerich gespielt?
Beispielsweise wäre uns folgendes Abbild der Erleuchtung eines unbekannten Priesters/Bischofs/Kirchenmannes entgangen:
(Man beachte den Lichtstrahl, der vom Altar herab in die Stirn des armen Mannes fährt - vor so vielen Zeugen! Alles, was fehlt, ist die TV-Kamera, um es live auf die Videowall vor der Kirche zu übertragen.)
Und diese Erleuchtung war doch wohl zweifelsohne notwendig - als ernsthafter Kirchengläubiger musste der arme Mann sicher lange Zeit an die Mär der schwangeren Jungfrau glauben, wie es ihm die Glaubensverwalter eingeflüstert, aufgezeichnet und auch in Altartüchlein gestickt hatten:
Dank des Lichtstrahls wurde dem kurzzeitig Erleuchteten vermutlich bewusst, dass beispielsweise Fürsterzbischofs von Salzburg Wolf Dietrich von Raitenau (in Salzburg von 1587 bis 1612) eine Mätresse namens Salome Alt hatte, mit der selbiger in 22 Jahren 15 Kinder zeugte (das sind bei 15×9 Monaten - also 11 Jahren und 3 Monaten Schwangerschaft immerhin noch 10 Jahre und 9 Monate Zeit, um das damals sehr beliebte “du bist die Jungfrau, ich bin der heilige Geist”-Spiel zu spielen.) Und dass die jungfräuliche Empfängnis in Wahrheit ein besseres Ammenmärchen ist.
Wie bei allen anderen Genies oder Wahnsinnigen bedingt die kurzzeitige Erleuchtung langzeitige Finsternis… hier am Beispiel zweier heute aktiver Kirchgänger zu sehen:
Im Akkord wird in fotografiert - man beachte die unbewusste Anbetungshaltung: die Hände über dem Kopf, wie kurz vor dem Verbeugen -, was die Kirchensteuern der Salzburger Vorfahren finanziert haben: Kunst, Gold und Prunk - während der Papst immer noch frei herumläuft und in Afrika erfolgreich seine Anti-Kondom-und-Pro-Aids-Marketing-Strategie fährt.
Ist er darum schuld an der jährlichen Million HIV-Todesopfer allein schon in Afrika? (Quelle: UNAIDS)
Zählt im Himmel die Anzahl der Schafe, die man hinaufgebracht hat, mehr als “nur” die Anzahl der Bekehrten auf der Erde?!
“Hinter Gitter!”, möchte man ihm da zurufen, doch der religiöse Fundi erschießt stets die Guten, und das war nur selten ein Papst.
Und so bleibt nur die Fassadengestaltung von Salzburgs Franziskaner Kirche Zu unserer lieben Frau, um der Forderung nach Gittern nachzukommen (wie treffend übrigens der Name der Kirche, um die Frauenrolle der katholischen Religion architektonisch und bezeichnungstechnisch zu versinnbildlichen) - hier dämmern die mit Weihrauch eingeäscherten Gedanken der vielen züchtigen Schäflein weiterhin vor sich her, bis eines Tages auch sie der Strahl der Erleuchtung - oder des Blitzes - treffen möge.
Brainwash I
12. Mai 2009
Ein Wochenend-Erlebnis, das seines Gleichen sucht:
Frage 1: Wo bin ich wohl hier?
a) in der Vorhalle eines Puffs
b) in einem (schlecht eingeleuchteten) H&M Laden
c) in der Gepäckhalle im Flughafen Düsseldorf
( Antwort c ist richtig.)
Frage 2: Was sollen die Halbnackten an den Wänden?
(Abgesehen davon, den wartenden Primitiven die Zeit zu vertreiben - und den wartenden Intellektuellen dieses sphingengleiche Rätsel aufzugeben…)
Möglicherweise können die Sprüche neben den Nackten bei der Beantwortung helfen:
“Ich finde Männer mit Fahrrad süß. - Wenn es im Kofferraum eines Oberklasse-Fahrzeugs liegt.”
“Nur primitive Männer fahren tolle Autos, um eine Frau rumzukriegen. - Ich mag primitive Männer.”
“In ihren fruchtbaren Tagen bevorzugen Frauen stürmische Männer. In den unfruchtbaren sanfte. - Ein kluger Mann fährt nicht in beiden Phasen das gleiche Auto.”
(Nein, können sie nicht.)
Frage 3: ….?!
Stille. Mir fehlen die Worte. Wie alle anderen starre ich schweigend an die Wand, bis das Gepäck kommt (was dauert). - So muss sich wohl ein Afrikaner fühlen, der einen akademischen Titel hat und in Wien bei der UNO arbeitet, wenn er im 3. Millenium vor dem Logo des Julius Meinl Kaffees steht.
Brillant am Steißbein vorbei
5. Mai 2009
Heute wurde mir telefonisch mitgeteilt, mein - oder vielmehr unser - letzter Kurzfilm wäre nicht brillant und es darum nur unter Umständen wert, zu einem bestimmten Festival zugelassen zu werden. (Hinweis: Es handelt sich um ein Festival, das sich selbst damit brüstet, das Festival für den filmischen Nachwuchs innerhalb des deutschsprachigen Raumes zu sein.)
Im Folgegespräch versuchte ich, herauszufinden, was konkret ein brillanter Kurzfilm wäre, doch die freundliche Dame begann zu stottern, sprach von “das wäre dann eine Juryentscheidung” und blieb mir die Antwort schuldig.
Es ist dies dasselbe Festival, bei dem ein Kollege von mir sein Horror-Vergewaltigungs-Drogentrip-Szenario einreichte - das auch im Wettbewerb lief (wenn auch ohne dafür prämiert zu werden).
Ich frage mich nun, ob ich daraus schließen muss, dass eben jener Schwarz-Weiß-Kurzfilm, der eine filmisch festgehaltene Fantasie zeigt, wie sie sich das weibliche Publikum nie freiwillig ansehen würde - und die geistig normalen Männer, die sich Derartiges frewillig geben, möchte ich bitte sehen - ob dieser Streifen nun als brillant anzusehen ist.
Als Synonyme zu “brillant” treffe ich im Google auf Worte wie: groß, hervorragend, imposant, meisterhaft, ausgezeichnet, außergewöhnlich, beachtlich, bedeutend, bemerkenswert, blendend, einzigartig,
enorm, erstaunlich, exzellent, fabelhaft.

So leid es mir tut, dem Kollegen und seinem filmischen Schaffen diese Eigenschaften absprechen zu müssen - aber ich muss es. Es fiele mir allerdings auch nie ein, eines dieser Worte auf meine eigenen Filme anzuwenden, genausowenig wie auf die der meisten anderen tätigen Regisseure und Regisseurinnen.
Aber zumindest ein gewisses Maß an Niveau, Intelligenz, Witz und professioneller Machart verlange ich mir selbst ab.
Der Kollege, der sich mir gegenüber freilich außer konsequenter Arroganz nie etwas zu schulden kommen hat lassen, sei nun als Person aus dem Kreuzfeuer genommen - aber Zweifel an der Urteilsfähigkeit gewisser Programmgestalterinnen bei gewissen Nachwuchs-Festivals bleiben schon.
Übrigens; ich habe das Wort brillant soeben in Zusammenhang mit Billy Wilder in der Beschreibung der kommenden Retrospektive des Filmarchivs Austria gefunden: “Die Bandbreite reicht dabei von Reflexionen seiner Zeit als Journalist (DER TEUFELSREPORTER), über brillant-ironisch verpackte antifaschistische Botschaften (FIVE GRAVES TO CAIRO, A FOREIGN AFFAIR), bis zu den schwärzesten Seiten der US-amerikanischen Gesellschaft (DOUBLE INDEMNITY, ACE IN THE HOLE) und Filmindustrie (SUNSET BLVD.).”
Und eben jener Billy Wilder hatte zu Festivals und der hochgeschätzten Meinung diverser brillanter Juroren schon vor Jahrzehnten Folgendes gesagt: “Shoot a few scenes out of focus. I want to win the foreign film award”. - Von seinem Spruch über Preise ganz zu schweigen: “As you get older you can count on getting hemorrhoids and awards”.
Abgasfreie Gedankenwelt
27. Feb. 2009
“Merci Cherie” lese ich auf einer der letzten Seiten im “WIENER” vom März - und darunter steht: “Der WIENER präsentiert: Beruhigungsmittel für die Liebste. Denn Vergebung kann man kaufen.” Neben dem Wort “Redaktion” lese ich einen Frauennamen.
Mein Blick wandert nach oben. Sechs bunte Bildchen zieren die Seite: Ein hässlicher, weil giftgrüner Schuh, eine ebenso hässliche Handtasche inklusive Louis-Vuitton-Logo darauf, ein Mini-(oder eher Fuzzi)Laptop mit einem Schmetterling im Glitzerdruck, eine komplett unoriginelle Parfumflasche in Mädchenrosa und ein pinkfarbener (!) Camcorder, der genauso groß ist wie der Schlüsselbund mit Glitzerzeuganhänger, mit dem übrigens kein Mann je meine Vergebung kaufen könnte.
Berufsbedingt bleiben meine Augen beim pinkfarbenen Camcorder hängen. Im Seitentext will ich nachlesen, welches Format das Gerät liefert, wieviele Mbit/s, welche Auflösung, welchen Zoomfaktor - doch stattdessen lese ich:
“Der Pocketsize-Camcorder liefert dank iA (intelligente Automatik)-Funktion optimale Aufnahmeergebnisse, auch von Frauen. Ab April erhältlich, ca. 349 Euro”.
Jetzt weiß natürlich nicht jeder, dass, je kleiner die Kamera, um so weniger Gewicht in der Hand liegt, und logischerweise um so wackeliger die Aufnahmen sind.
Ich unterstelle dem gemeinen Mann, auch nicht zu wissen, dass ein Camcorder immer - und ohne Ausnahme - mit einer Automatik-Funktion (zwecks Schärfe) ausgestattet ist. Es ist sogar äußerst unwahrscheinlich, auf so kleinen Consumer-Camcordern irgendwo ein Knopferl zu finden, mit dem man die Schärfe auf manuell umstellen könnte.
Dann gibt es noch die Steadishot-Funktion, die jeder kleiner Camcorder per se hat (wenn er nicht völliger Schrott ist). Das ist die Funktion, die das schon durch Wind verursachte Wackeln des (übertrieben kleinen) Camcorders nicht 1:1 ins elektronisch aufgezeichnete Bild umsetzt.
Conclusio: Wer den WIENER liest, ist selber schuld.
Nachsatz: Für jemanden, der auf diesen Werbetext hereinfällt - für den die Bezeichnung “frauenfeindlich”, wenn nicht so gar “menschenverachtend” noch zu wenig ist - und dieses hässliche Teil an Elektronik kauft, halte ich auch 349,- Euro als Bußgeld noch zu wenig.
Geriatrisches Zentrum Josefstadt
10. Feb. 2009
Nach dem Erhalt einer Kollegenkarte, die zu einem Säulensitzplatz führte, lüftete sich das Geheimnis des mediengehypten Umbaus: Im Theater in der Josefstadt sieht alles aus, wie vorher, und auch die Säulen stehen noch im Weg, aber die Sitze haben jetzt Namen: Meiner hieß “Bank Austria”, farblich passend in bordellhaftem Rot.

Das Stück “Floh im Ohr” ging beschwingt inszeniert und präzise gespielt über die Bühne. Die Damen und Herren Schauspieler haben fast ausnahmslos gute Arbeit an der alten Idee einer Verwechslungskomödie geleistet, nur Sona MacDonald fiel als weibliche Hauptrolle aus der Rolle.
Wie mir nach dem Stück gesagt wurde, ist genau diese Frau MacDonald der “Star” des Abends, neben Ex-”Kommissar Rex”-Darsteller Alex Pschill, versteht sich. Dieser spielte allerdings gut, weil präzise und mit Gefühl für Komik, während Frau MacDonald - die ich zuerst mit Mausi Lugner unter hellroter Perücke verwechselte - auf der Bühne Kreise lief (beeindruckend allerdings hinsichtlich ihrer 15cm hohen Stilettos) und ohne erkennbaren Grund zwischen hoher Kreisch-Stimmlage und tieferem Hirsch-Brunft-Gebrülle wechselte (womit sie gegen das Schauspiel ihrer Kollegen und Kolleginnen leider verlor).
Allerdings stand sie für zwanzig Minuten in Dessous auf der Bühne, zwar nicht wie Barbie, aber wenigstens wie Skinny (die schmalbrüstigere Barbievariante mit roten Haaren aus den 1960ern).
Das mag für das greise Publikum jedoch genug gewesen sein.
Außerdem ergab die Internetecherche, dass Sona MacDonald nebst Rollen in “Derrick”, “Tatort”, “Schlosshotel Orth”, “SOKO Kitzbühl” und “Der Alte” auch dereinst die Hauptrolle in der Fernsehsehrie “Frauenarzt Dr. Markus Merthin” spielte - womit wohl ihr “Star”-Status erklärt wäre.
Der Applaus am Ende des Stückes fiel erschreckend geriatrisch aus: Das kraftlose Zusammenfälteln der Hände hätte schlaffer nicht sein können - wiewohl das Publikum zuvor aber angesichts der vorhersehbaren Doppeldeutigkeiten und Anzüglichkeiten hellauf gelacht hatte. Mein Herz floß über vor Mitleid für die DarstellerInnen.
Nichtsdestotrotz waren die Altherren und -damen äußerst flott bei der Garderobe - und äußerst schlagkräftig noch dazu. Die Prügelei um die Mäntel konnte sich mit der in jedem anderen Theater messen - mit Ausnahme der Staatsoper vielleicht, wo die Standing Ovations das Publikum im Saal halten. (Und von dort nehme ich auch keinen Ohrwurm wie “Old MacDonald had a farm…” mit.)
Dieser Abend führte zu meinem Entschluss, mich zu meinem 70. Geburtstag neben der Vorbestellung eines Grabes und der Reservierung fürs Altersheim auch um ein Abonnement in der Josefstadt zu kümmern. Es scheint, als gehöre sich das so.
Ode an den Vogel Strauß
1. Feb. 2009
Was Darwin bei seiner Entdeckungsreise übersehen hat, ist das, was ich bei meinen Feldstudien im Bereich Film regelmäßig entdecke: die Vogel-Strauß-Diva.
Die Vogel-Strauß-Diva ist ein Lebewesen, das männlich oder weiblich sein kann und in der Wüste endloser Selbstgefälligkeit lebt.
Sie - wobei “sie” hier geschlechtsunneutral für die Vertreter jeglichen Geschlechts und Genders steht - neigt dazu, in tausendundein Luftspiegelungen stets sich selbst zu sehen, und ist deshalb der Überzeugung, ein Star zu sein.
Äußerlich einem Vogel Strauß ähnlich - also ein flugunfähiger Haufen schwarzgrauer Federn mit zwei dürren Haxen und einem ebensolchen Hals - lebt die Diva wegen der fehlenden Reflexionsmöglichkeiten in der fixen Vorstellung, ein weißer Schwan zu sein - der fliegen kann.
So unternimmt sie beispielsweise immer wieder Flugversuche, die allerdings jedesmal böse scheitern. Ihre x-fach gebrochenen Beine heilt sie mit Selbstbeschwörung und dem (gesundheitsschädigenden) Festhalten an ihrer Bestimmung: einst als Stern am Himmel zu blinken.
Ihre Freunde Sandsturm und Fata Morgana tun alles, um sie von ihrem angestrebten Weg fernzuhalten: Sandsturm lässt regelmäßig die Sandkörner tanzen, die wild um Augen und Ohren der Diva schlagen, um sie zur Vernunft zu bringen.
Fata Morgana spiegelt der Diva Fantasien zu, in der diese längst ein oscargekrönter Star ist - denn die Fata Morgana hat schon längst begriffen, dass die Vogel-Strauß-Diva blind ist. Und als blinder, flugunfähiger Vogel wird die Diva niemals den Weg in eine Oase finden. Und zur nächsten Oase. Und zur übernächsten Oase. Immer höher, immer weiter, bis nach vielen Wüsten und Oasen schließlich der Sternenhimmel auf sie wartet - und darunter der allgemein bekannte Abgrund des Vergessens.
Manchmal kommt eine Reisekarawane durch die Wüste der Vogel-Strauß-Diva.
Reisekarawanen ziehen von Oase zu Oase und durchqueren dabei die Wüsten.
Reisekarawanen sind statistisch gesehen die einzige Möglichkeit, für eine blinde flugunfähige Diva, jemals in eine Oase zu gelangen.
Doch die Vogel-Strauß-Diva tut, was ihr Vorfahre, der echte Strauß, immer schon erfolgreich getan hat - und rammt ihren Kopf in den Sand.

Denn was wäre schlimmer als die Realisierung des Traumes?
Die Erkenntnis, kein Star zu sein.
Nachsatz: Man muss auch sagen: Welch ein Glück für die Reisekarawane, dass ihr dieser Mitreisende erspart blieb.





















